Der Wohnwert steigt deutlich

Offen und kontrovers: Mit den Balkongesprächen hat Schöck Balkonsysteme ein neues Expertenforum für Bauen im Bestand ins Leben gerufen. Diesmal traf sich eine hochkarätige Runde auf dem Balkon des Kulturhauses LA8 in Baden-Baden. Stadtplanerin Lisa Poetschki-Meyer, Architekturprofessor Roland Burgard und der langjährige Quartiersmanager Joachim Barloschky diskutierten mit Dr. Peter Kaiser, Bereichsleiter Systemmanagement und Marketing bei Schöck Balkonsysteme, über die Herausforderungen der Quartiersentwicklung.

Das Gespräch fand statt in Baden-Baden, September 2011

Kaiser: Herr Barloschky, wenn über Quartiersentwicklung und die Bewältigung sozialer Herausforderungen diskutiert wird, ist oft die Rede vom „Wunder von Tenever“. Sie selbst waren viele Jahre lang Bewohner in der Bremer Hochhaussiedlung und rund 20 Jahre Quartiersmanager dort. Worin besteht dieses Wunder, weihen Sie uns ein?

 

Barloschky: Für Wunder ist bei uns eigentlich Werder Bremen zuständig. Aber es ist schon bemerkenswert, wie es gelungen ist, aus einem von Eigentümern und Spekulanten heruntergewirtschafteten Wohngebiet am Rande der Stadt Bremen ein lebenswertes Quartier mit menschenwürdigen Wohnbedingungen zu schaffen. Anfang der 70er Jahre wurde das Quartier als Demonstrativbauvorhaben des Bundes gebaut. Damals galt es als die Crème de la Crème moderner Wohnsiedlungen. Manche sprachen sogar von Klein-Manhattan. Die Planer wollten für 8.000 Menschen Urbanität durch Dichte erzeugen. Doch das Konzept ging nicht auf, die Planer hatten die gesellschaftliche Entwicklung nicht richtig antizipiert. Sie dachten, Bremen werde sich zu einer 800.000-Einwohner-Stadt ausweiten. Das Gegenteil ist eingetroffen. Außerdem verkannten die Planer, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, dass viele Migranten bei uns wohnen. Und: Es wurde nicht bedacht, dass sich die Gesellschaft weiter spaltet. Diese Spaltung in Arm und Reich spiegelte sich dann schließlich in den Wohnquartieren wider.

Kaiser: Wie ging es weiter?

Barloschky: Die Bestandspflege wurde vernachlässigt. Das führte dazu, dass sich Tenever innerhalb kürzester Zeit zu einem sogenannten „sozialen Brennpunkt“ entwickelte. Bereits Mitte der 80er Jahre hatten wir große Leerstände und Fluktuationsraten von 25 Prozent. Statistisch kam es also alle vier Jahre zu einer neuen Mieterschaft. Da ist es schwierig, funktionierende Nachbarschaften zu bilden. Die Eigentümer der Wohnblöcke spielten zudem Monopoly mit Tenever, ganze Straßen wurden gekauft und verkauft. An Werte aber, die für die Bewohner wichtig sind – Modernisierung, Instandsetzung, Wohnumfeldverbesserung – wurde zunächst überhaupt nicht gedacht. Das hat zu vielen Problemen geführt.

Kaiser: Wie hat Tenever die Kurve gekriegt?

Barloschky: Durch den Stadtumbau, eine Reihe von basisdemokratischen Aktivitäten mit Programmen wie „Soziale Stadt“ und ein beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement ist aus einem „Problemquartier“ ein, wie ich eingangs gesagt habe, lebenswertes Quartier geworden. Hier muss ich hervorheben, dass die Stadt einen großen politischen Willen an den Tag gelegt hat. Entscheidend für den Erfolg ist, dass Tenever inzwischen in städtischer Hand war. Ohne die städtische Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA hätten wir die Sanierung überhaupt nicht in den Griff gekriegt. Heute haben wir übrigens Vollvermietung.

Kaiser: Frau Poetschki-Meyer, Sie sind Leiterin des Fachgebiets Stadtentwicklung in Baden-Baden. Der Kurort gilt als wohlhabend und mondän und lockt als solcher zahlreiche Touristen aus aller Welt. Sind die Herausforderungen, die Herr Barloschky geschildert hat, den Menschen in Baden-Baden fremd?

Poetschki-Meyer: Der erste Eindruck, den die Besucher von Baden-Baden haben, entspricht in der Tat zunächst dem internationalen Ruf. Die Stadt wird als mondäner Kurort wahrgenommen, alles bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Das Stadtbild ist elegant und nobel, das Kultur- und Wohnungsangebot sehr gut. Es gibt ein Alleinstellungsmerkmal: die heißen Quellen. Daraus entwickelte sich die Kernstadt Baden-Badens im 19. Jahrhundert zur Sommerhauptstadt Europas, und dieses Gepräge wirkt heute fort. Wenn man sich aber intensiver mit Baden-Baden beschäftigt, stellt man fest, dass es sich auch um eine ganz normale Stadt handelt mit sozialen Herausforderungen, wie sie auch andernorts auftreten. Wir haben vielfältige Stadtteile mit jeweils eigenem Charakter. Zum Beispiel finden sich Stadtteile im Rebland, in der Rheinebene oder im westlichen Stadteingangsbereich, wo früher die französischen Streitkräfte mit Kasernen und Wohnquartieren ansässig waren. Nach der Wiedervereinigung und dem Abzug der Truppen galt es etwa, diese Anlagen zu einem lebenswerten Stadtteil zu entwickeln. Hierzu hat die Stadt den klaren politischen Willen vertreten, dass eine erfolgreiche Standortentwicklung nur möglich ist, wenn die Konversionsflächen ins Eigentum der Stadt kommen. Und dies ist dann auch gelungen.
Natürlich gab es dabei Spannungen, die man bewältigen musste, aber wir können heute feststellen, dass der Weg richtig war und der neue Stadtteil eine gute und bürgerfreundliche Perspektive hat. Wissen Sie, in Baden-Baden leben rund 55.000 Menschen, das ist überschaubar. Aber wir haben dennoch viele Probleme einer Großstadt, sie finden sich allerdings auf relativ engem Raum.

Kaiser: Herr Professor Burgard, Sie haben die Stadtentwicklung in Frankfurt am Main über viele Jahre aktiv mitgestaltet. Von 1977 bis 1998 arbeiteten Sie im Hochbauamt der Stadt Frankfurt, seit 1990 als dessen Leiter. Heute sind Sie im Städtebaubeirat aktiv. Wofür steht die Mainmetropole heute? Und wohin wird der Weg führen?

Burgard: Vor 30 Jahren wurde Frankfurt auch Krankfurt genannt – als Ausdruck einer negativen Stadtentwicklung. Das hat sich alles extrem geändert, vielleicht weniger durch die Wohnbaumaßnahmen als durch die gesamte Neugestaltung des Mainufers. Frankfurt hat sich zu einer lebenswerten Stadt entwickelt. Trotzdem hat auch Frankfurt die Probleme vieler Großstädte, mit Hochhaussiedlungen, die zum Teil soziale Brennpunkte sind. An manchen Stellen will die Stadt solche Hochhauskonglomerate kappen, weil sie der Meinung ist, sie könne der sozialen Probleme besser Herr werden und eine effizientere Sanierung betreiben, wenn die Häuser nicht mehr so hoch sind. Die Bewohner wehren sich zum Teil vehement dagegen.

Kaiser: Existiert also bisweilen eine Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der Planer und denen der Bewohner?

Burgard: Es gibt bestimmte Philosophien im Städtebau. Und die ändern sich im Generationentakt. Das hängt mit der Ausbildung an den Hochschulen und dem deutschen Wettbewerbswesen zusammen. Es gibt Juroren, die praktisch in allen Wettbewerben drin sind und eine bestimmte Lehrmeinung vorgeben. Wenn man erfolgreich sein will, muss man letztlich dem Diktat dieser Wettbewerbskartelle folgen. Das ist eine scharfe These, die ich aber so vertreten will. Immerhin war ich selbst neun Jahre lang Universitätsprofessor und habe Wettbewerbe zusammengestellt.

Kaiser: Die Gesellschaft ist in einem steten Wandel. Gebäude werden aber so gebaut, wie sich die aktuelle gesellschaftliche Situation darstellt. Sollte die Architektur nicht Konzepte entwickeln, die sich ebenso anpassen können?

Burgard: Mit der Veränderung der Gesellschaft verändern sich die Anforderungen an den Städtebau. Wohnungsbauten werden heute nicht mehr für die Ewigkeit errichtet, sondern für 25 oder 30 Jahre. Und ich behaupte, dass durch diese geringe Lebensdauer eine größere Chance besteht, gesellschaftliche Veränderungen auch im Städtebau zu
realisieren. Gerade weil die Gebäude nicht mehr eine lange Lebensdauer besitzen, kann man sie verändern, indem man sie etwa kürzt oder aufstockt – und zwar, weil die wirtschaftliche Notwendigkeit besteht, etwas zu verändern.

Barloschky: Ich möchte kurz auf die eben skizzierte Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der Planer und denen der Bewohner eingehen. Dazu kann ich als alter Bewohneraktivist nur sagen, dass wir Rabatz gemacht haben. Wir waren unzufrieden mit den Verhältnissen, haben demonstriert. Wir haben ein Klima für den Wandel geschaffen. Aber das ist nur die eine Seite. Es gibt viel stärkere Kräfte, die an der Veränderung mitgewirkt haben: Die Stadt hat sich der Verantwortung gestellt, weil sie will,
dass ihre Quartiere sozial nicht immer weiter auseinanderdriften. Und so hat man die Kräfte gebündelt. In Tenever waren die Verantwortlichen bereit, das mit den Bewohnern zu besprechen. Wir haben den basisdemokratischen Weg gewählt – mit Mieterinitiativen, Bewohnertreffs und unserer Stadtteilgruppe, einem Beteiligungsforum, das von der Stadt aktiv unterstützt wird. Alle, die etwas mit unserem Quartier zu tun haben, kommen dort zusammen. Gemeinsam wird dann entschieden, welches Geld in welches Projekt fließt.

Kaiser: Frau Poetschki-Meyer, wie steht Baden-Baden zur Bürgerbeteiligung? Mit der Wohnsiedlung im Briegelacker gibt es ein Quartier, das man als sozialen Brennpunkt bezeichnen könnte.

Poetschki-Meyer: Als sozialen Brennpunkt würde ich das Quartier nicht bezeichnen. Am Anfang gab es Probleme, als viele verschiedene Nationalitäten dort innerhalb kurzer Zeit zusammenkamen. Es war eine logische Entwicklung, dass das nicht völlig reibungslos laufen konnte. Aber wir haben inzwischen eine sehr gut funktionierende Infrastruktur vor Ort, wo großartige soziale Arbeit geleistet wird – auch mit viel ehrenamtlichem Engagement. Darüber hinaus trägt auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft mit zahlreichen Maßnahmen zur Aufwertung und Wohnumfeldverbesserung im Gebiet bei. Mit dem jüngsten Projekt, der Generalsanierung eines Mehrfamilienhauses, schafft sie einen höherwertigen Wohnraum und ein weiteres nachfrageorientiertes Angebot.

Barloschky: Haben Ihre Bewohner denn das Recht, mitzuentscheiden?

Poetschki-Meyer: Wir haben in den vergangenen drei Jahren den Prozess einer strategischen Entwicklungsplanung durchlaufen. Wir wollten wissen, wo wir jetzt eigentlich stehen. Hieran haben wir die Bürger beteiligt. Sie haben uns gesagt, was ihnen am Herzen liegt und wo sie ihre Stadt sehen möchten. Das haben wir in einer Schlussdokumentation, dem „Strategischen Entwicklungsplan Baden-Baden 2020“ zusammengefasst, der jetzt vorliegt. Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft bindet die Bevölkerung in stadtplanerische Prozesse ein. Wir sind mit den Bewohnern im Gespräch. Etwa, wenn es sich im Sanierungsgebiet um die Einbindung der Betroffenen in die Formulierung der Sanierungsziele und zukünftigen Maßnahmen handelt oder es im Konversionsgebiet darum geht, zur Multifunktionalität zu gelangen. Ich spreche von lebenswerten und bürgerfreundlichen Wohnquartieren mit einem attraktiven Dienstleistungsangebot, öffentlichen Einrichtungen, Ämtern und sozialen Infrastruktureinrichtungen wie Grundschulen und Kindergärten oder Mehrgenerationeneinrichtungen. Wir haben hier einiges erreicht, aber auch noch einen langen Weg vor uns.

Barloschky: Eine überaus wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Quartier eine positive Entwicklung nimmt, ist aus meiner Sicht die Teilhabe der Bewohner. Wenn man den Leuten nicht nur Wohnraum gibt, sondern auch Raum zum Zuhören und Mitmachen, dann ist das ein gutes Vorzeichen. Hochhäuser sind nicht gut oder schlecht, nur weil sie hoch sind. Wenn man sich in der Welt umschaut, gibt es wunderbare Hochhausviertel, die sehr begehrt sind. In Tenever leben Menschen aus rund 90 Nationen. Wir haben einen Migrationshintergrund von 75 Prozent. Aber wir fragen nicht: Wer integriert hier wen? Sondern wir sagen: In der Internationalität liegt die Zukunft. Meine Kinder sind in Tenever international aufgewachsen. Das ist doch die Perspektive in unserem Land. Insofern ist Tenever ein zukunftsträchtiges Quartier. Übrigens möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich gegen einen angeblichen Zusammenhang zwischen Migration und „sozialen Brennpunkten“ verwahren.

Poetschki-Meyer: Auch in Baden-Baden leben traditionell Menschen aus vielerlei Nationen. Das hat sich aufgrund der Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte nochmal verstärkt. Wichtig ist aber, dass wir uns als Gemeinwesen verstehen, den Menschen konkret Hilfestellung leisten und die Bildungschancen erhöhen. Wir tun dies in Baden-Baden durch viele Angebote auf kleinmaßstäblicher Ebene. Ganztagsbetreuung und die gezielte Förderung sprachlich Benachteiligter sind nur zwei Beispiele.

Kaiser: Das sind positive Beispiele von Integration durch das Engagement von Stadt und Bürgern. Herr Burgard, wo liegen Ihrer Ansicht nach die architektonischen Herausforderungen der Stadt- und Quartiersentwicklung?

Burgard: Der Schwerpunkt der Stadtplanung und Stadtentwicklung in Frankfurt liegt momentan im gezielten Abziehen der Bevölkerung aus dem Umland. Es geht um die Rückkehr in die Stadt, um Zuzug und Nachverdichtung. Nach unserem heutigen städtebaulichen Verständnis sollte alles etwas enger sein und weniger Abstand haben als etwa in den 50er Jahren. Hier aber stößt man vielerorts auch auf Probleme bei den Anwohnern. Wenn etwa in einem Blockinneren im Rahmen von Nachverdichtung ein Häuschen gebaut werden soll, bilden sich oft Widerstände. Nachverdichtung ist offensichtlich sehr problematisch. Das ist ein Beleg dafür, dass wir keine dynamische Gesellschaft sind, sondern eine sehr statische.

Poetschki-Meyer: Wir müssen die Nachverdichtung ebenfalls differenziert betrachten. Als Stadt Baden-Baden können wir nicht einfach sagen: überall dichter und dichter. Wir haben ja auch erhebliche städtebauliche Qualitäten zu verteidigen, so sind etwa Nachverdichtungen in den historischen Villengebieten in der Regel sehr schwierig und angesichts eines empfindlichen Stadtbildes nicht so ohne Weiteres akzeptabel. Es geht immer um die örtliche Betrachtung, was städtebaulich verträglich ist.

Burgard: In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Bauaufsicht in Frankfurt eine besondere Serviceleistung anbietet, damit die Stadtteile ästhetisch auf einem bestimmten Niveau gehalten werden. Sie stellen den Wohnungsbaugesellschaften sogenannte Stadtteilarchitekten zur Verfügung. Sie beraten kostenlos, wenn es um kleinere Bauvorhaben und Umbaumaßnahmen geht.

Kaiser: Damit sind wir bei den architektonischen Komponenten eines Gebäudes angelangt. Welche Rolle spielt der Balkon?

Barloschky: Ich habe als alter „Bewohnerbeteiliger“ hierzu die Bewohner befragt. Erstes Ergebnis: Der Balkon spielt in allen Communitys eine große Rolle. Interessanterweise scheint er aber in einigen Kulturkreisen wichtiger zu sein als in anderen. Viele afrikanischstämmige Bewohner in Tenever sagen mir etwa, ihnen sei ein zusätzliches Zimmer grundsätzlich lieber als ein Balkon. Die meisten Deutschen und Aussiedler sowie die türkische und arabische Community wiederum sagen, ihr Balkon sei ihnen enorm wichtig. Fakt ist: Niemand lässt seinen Balkon ungenutzt. Er bedeutet Freiraum und frische Luft. Das ist in einem Hochhaus noch wichtiger als in einem dreigeschossigen Haus, wo man noch relativ schnell nach unten ins Freie kommen kann.

Burgard: Bei Balkonen wird eines deutlich: Er dient vielen vorrangig als Stauraum. Das ist eigentlich erschütternd. Es gibt unterschiedliche Balkontypen und unterschiedliche Nutzungsformen. Es müsste also Balkone für verschiedene Nutzungsvarianten geben. Denkbar wären etwa zusätzliche Funktionalitäten für Sonnenschutz, die Satellitenschüssel, Aufhängungen für Fahrrad und Gartengeräte. Eine Menge ist möglich. Es kommt darauf an, das dann elegant zu lösen. Das Gleiche gilt für die Modernisierung. Bei der Sanierung von Gebäuden der 50er Jahre steht man etwa oft vor dem Problem, dass neu integrierte Balkone wie Fremdkörper wirken. Sie sind klobig und entsprechen nicht der architektonischen Sprache der 50er Jahre, die sehr zart ist. Wenn also ein Gebäude aus den 50er Jahren heute einen neuen Balkon bekommt, könnte daraus in 15 Jahren schon wieder ein Sanierungsfall erwachsen, weil dann den Leuten auffällt, dass das nicht zueinander passt.

Poetschki-Meyer: Städtebaulich betrachte ich einen Balkon immer von außen. Ich sehe eine Fassade und habe ästhetisch den Anspruch, dass sich Balkone hinsichtlich ihrer Proportionen, Farbigkeit und Materialität gestalterisch einfügen – sofern wir überhaupt Einfluss nehmen können. Wenn ich dann die Innenansicht wähle, als Architekt oder Bewohner, dann entdecke ich natürlich Ansprüche vielfältigster Art. Zugleich wird klar, dass ein Balkon den Freiraum ersetzen muss, den man vorfindet, wenn man auf die Terrasse eines Einfamilienhauses tritt. Wohnungen mit Balkon steigern den Wohnwert deutlich – und damit die Zufriedenheit der Bewohner.

Kaiser: Ein perfektes Schlusswort – ich danke Ihnen allen für das Gespräch.


Lisa Poetschki-Meyer arbeitet für die Stadt Baden-Baden im Fachbereich Planen und Bauen. Dort leitet sie das Fachgebiet Stadtentwicklung.

Prof. Roland Burgard ist Architekt. Zwischen 1977 und 1998 arbeitete er im Hochbauamt Frankfurt, ab 1990 als dessen Leiter. Danach war er Professor an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seit 2008 ist Burgard im Städtebaubeirat in Frankfurt am Main tätig.

Joachim Barloschky setzt sich seit über 30 Jahren für die Bewohner im Bremer Hochhausviertel Tenever ein: zunächst als Bürgeraktivist, später 20 Jahre lang als Quartiersmanager im Auftrag der Stadt. Seit Juli 2011 ist er im Vorruhestand.

Dr. Peter Kaiser ist Bereichsleiter Systemmanagement und Marketing der Schöck Balkonsysteme GmbH.